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Pflegende Angehörige fordern mehr Unterstützung, weniger Bürokratie und verlässliche Entlastungsangebote

Winterberg, 1. September 2026 – Im Rahmen einer Dialogveranstaltung in der Vorsorgeklinik Landhaus Fernblick kamen pflegende Angehörige aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen mit politischen Vertreterinnen und Vertretern sowie Verantwortlichen der AWO zusammen, um über die Herausforderungen ihres Pflegealltags zu sprechen. Im Mittelpunkt standen die psychischen und körperlichen Belastungen der häuslichen Pflege, finanzielle Sorgen, bürokratische Hürden sowie die Bedeutung stationärer Vorsorge- und Rehabilitationsangebote für pflegende Angehörige.

Zu den Gästen der Veranstaltung gehörten unter anderem die Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese und Oliver Kaczmarek sowie die Landtagsabgeordnete Anja Butschkau. Nach einer Vorstellung der Vorsorgeklinik mit ihren speziellen Angeboten für pflegende Angehörige, darunter Gruppentherapien und die Tagesbetreuung pflegebedürftiger Begleitpersonen, berichteten die Teilnehmenden eindrucksvoll von ihren persönlichen Erfahrungen.

Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Lebenssituationen pflegender Angehöriger sind. Während ältere Teilnehmende ihre Ehepartner teilweise seit vielen Jahren zu Hause versorgen und vor allem von sozialer Isolation, fehlender gesellschaftlicher Anerkennung und den eigenen zurückgestellten Bedürfnissen berichteten, schilderten berufstätige Angehörige die schwierige Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf. Andere sorgen sich um die Zukunft von schwer erkrankten Kindern oder Angehörigen und stellen sich die existenzielle Frage, wer die Versorgung übernehmen wird, wenn sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind.

Trotz der unterschiedlichen Lebenslagen zeigten sich zahlreiche gemeinsame Problemlagen. Immer wieder wurden komplizierte Antrags- und Widerspruchsverfahren, unübersichtliche Zuständigkeiten verschiedener Leistungsträger sowie langwierige Genehmigungsprozesse kritisiert. Viele Betroffene fühlen sich mit dem „Kampf durch die Bürokratie“ allein gelassen. Gefordert wurden niedrigschwellige Beratungsangebote, sogenannte Pflegelotsen, sowie eine stärkere aufsuchende Unterstützung durch Pflegekassen und Behörden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche waren finanzielle Belastungen. Die Teilnehmenden berichteten von steigenden Kosten für Pflege, Betreuung und Gesundheit, langen Wartelisten für Tagespflege, betreutes Wohnen und Entlastungsangebote sowie Unsicherheiten bei der Finanzierung notwendiger Unterstützungsleistungen. Insbesondere pflegende Angehörige mit eigener gesundheitlicher Beeinträchtigung verwiesen auf die schwierige Situation zwischen Erwerbsminderung, Rentenansprüchen und Pflegeverantwortung.

Großen Raum nahm auch die Frage ein, wie wenig bekannt bestehende Hilfsangebote oftmals sind. Mehrere Angehörige berichteten, nur zufällig von spezialisierten Vorsorge- und Rehabilitationsangeboten wie dem Landhaus Fernblick und dem Gesundheitszentrum Altastenberg erfahren zu haben. Als besonders wertvoll wurden die Möglichkeit der gemeinsamen Aufnahme von Pflegenden und Pflegebedürftigen in der Vorsorgeklinik Landhaus Fernblick sowie die Tagesbetreuung während therapeutischer Anwendungen hervorgehoben. Diese Angebote ermöglichten erstmals seit langer Zeit echte Entlastung und Zeit für die eigene Gesundheit.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Situation von Eltern pflegebedürftiger Kinder und junger Erwachsener mit schweren chronischen Erkrankungen. Sie schilderten erhebliche Zukunftsängste, mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz bestimmter Krankheitsbilder, aufwendige Verfahren zur Anerkennung von Pflegebedarfen und Schwerbehinderungen sowie finanzielle Unsicherheiten bei der Absicherung ihrer Familien.

Ein weiterer Appell richtete sich an Politik und Gesellschaft, die Leistung von pflegenden Angehörigen stärker anzuerkennen. Die Teilnehmenden machten deutlich, dass häusliche Pflege einen unverzichtbaren Beitrag zur Stabilisierung des Gesundheits- und Pflegesystems leistet. Gleichzeitig dürften diejenigen, die tagtäglich Verantwortung für ihre Angehörigen übernehmen, nicht länger das Gefühl haben, mit ihren Sorgen übersehen zu werden.

Im anschließenden Austausch wurde zudem über die politischen Rahmenbedingungen für Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen diskutiert. Dabei standen insbesondere die Auswirkungen des Beitragsstabilisierungsgesetzes und die Herausforderungen für die Weiterentwicklung innovativer Versorgungsangebote im Fokus. Einigkeit bestand darüber, dass der Ausbau von Entlastungs- und Unterstützungsstrukturen für pflegende Angehörige nicht durch finanzielle Restriktionen gefährdet werden dürfe.

Die Dialogrunde machte deutlich: Pflegende Angehörige benötigen mehr gesellschaftliche Wertschätzung, bessere Informationen über bestehende Hilfen, weniger Bürokratie, verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen sowie einen flächendeckenden Zugang zu Vorsorge-, Rehabilitations- und Entlastungsangeboten. Die Teilnehmenden appellierten an die politischen Entscheidungsträger, die Erfahrungen pflegender Angehöriger stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen und die häusliche Pflege nachhaltig zu stärken.

Hintergrund: In Deutschland werden die meisten pflegebedürftigen Menschen zu Hause von Angehörigen versorgt. Die Dialogveranstaltung im Landhaus Fernblick sollte dazu beitragen, die Erfahrungen Betroffener unmittelbar mit politischen Entscheidungsträgern zu diskutieren und Handlungsbedarfe für die Weiterentwicklung von Unterstützungs- und Versorgungsangeboten sichtbar zu machen.

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